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 Sagen Mythen & Märchen
Sabin die Waldfee Offline

Wesen des Waldes

Beiträge: 2.601

03.12.2005 21:29
Die Legende vom „Steinjungen“ Antworten

Die Legende vom „Steinjungen“ (aus dem Buch „Mythologie der Indianer“)

In den frühen Tagen der Indianer lebten ein junges Mädchen und ihre fünf Brüder zusammen in einem Tipi auf dem Boden eines Canons, in dem es genügend Wasser und Wild gab. Im Sommer war der Canon kühl und im Winter geschützt vor dem Wind. Doch das Mädchen war ängstlich, wenn die Brüder zur Jagd auszogen. Während sie auf ihre Rückkehr wartete, hörte sie Geräusche und der Ort war furchterregend.

Dann, eines Abends, kamen nur vier Brüder von der Jagd zurück und sie fragten sich, was dem anderen Bruder wohl zugestoßen sein mochte. Am nächsten Abend kehrten nur drei zurück und nach der nächsten Jagd nur zwei. Da bekamen alle große Furcht. Die beiden letzten Brüder zogen am nächsten Morgen aus, und nur ein einziger kam abends heim. Jetzt weinte das Mädchen und bat ihn, zuhause zu bleiben. Doch sie mussten schließlich essen, und so zog am Morgen ihr letzter und jüngster Bruder, den sie am meisten von allen liebte, zur Jagd aus. Doch wie die anderen kehrte auch er nicht zurück. Nun war das Mädchen ganz allein. Es gab keinen mehr, der dem jungen Mädchen Nahrung oder Wasser bringen oder es beschützen konnte.

Weinend verließ das Mädchen den Canon und kletterte auf einen Hügel, und wollte sich umbringen. Sie erblickte auf dem Boden einen runden Kieselstein und verschluckte ihn in der Hoffnung dann zu sterben. Am nächsten Tag wollte sie noch ein wenig Pemikan und die letzten Beeren essen und Wasser aus dem Bach trinken, doch sie fühlte sich nicht hungrig. Nach der Nacht fühlte sie sich, als ob sie an einem Festmahl teilgenommen hätte, und den ganzen Tag lang wanderte sie singend umher.

Am vierten Tag, den das Mädchen allein verbrachte, verspürte sie Schmerzen und dachte, dass nun endlich der Tod kommt und sie sterben konnte. Sie hatte nichts dagegen, da sie ihre Brüder vermisste. Doch statt zu sterben, gebar sie einen Jungen.

„Was soll ich mit diesem Kind anfangen?“ fragte sie sich. „Wie konnte ich ein Kind bekommen? Das ganze muss mit dem Stein zu tun haben, den ich verschluckt habe. Sie betrachtete ihren Sohn und stellte fest, dass er ein Gesicht wie ein Stein hat und gab ihm den Namen „Steinjunge“. Das Kind war kräftig und hatte leuchtende Augen, und die junge Frau musste weiter leben, um für das kleine Kind zu sorgen und wickelte es in die Kleidung ihrer Brüder. Das Kind wuchs zehnmal schneller als normale Babys und bekam einen viel vollkommeneren Körper. Der Junge wuchs so schnell, dass er bald laufen konnte und als er eines Tages ganz alleine einen Bogen und Pfeile machte, wusste die Mutter, dass ihr Baby große Macht besaß.

Sein Haar wurde lang und er war schon sehr bald groß genug, um auf die Jagd zu gehen. Als die Mutter das sah befürchtete sie ihren Sohn genau wie ihre Brüder zu verlieren und begann laut zu schluchzen. Unter Tränen erzählte sie von ihren Brüdern, die von der Jagd nicht mehr zurück kehrten. Dann erzählte sie ihrem Sohn von seiner Geburt und von dem Stein, den sie verschluckt hatte, um zu sterben.

„Ich weiß“, sagte er. „Und ich werde nach deinen Brüdern, meinen Onkeln, suchen.“

Und so begann Steinjunge am nächsten Morgen zu wandern und Ausschau zu halten. Er wanderte vier Tage lang und am Abend des vierten Tages roch er Rauch. Der Geruch führte ihn zu einem Tipi, das hässlich und verkommen aussah. Drinnen erblickte er eine alte hässliche Frau, die für ihn wie eine Hexe aussah. Als er vorbeigehen wollte, lud sie ihn zum Essen und schlafen ein.

Obwohl ihm unbehaglich und ein wenig ängstlich zumute war folgte Steinjunge der Einladung der Alten. Als er sich im Tipi umsah, erblickte er fünf große Bündel, die ordentlich aufgestellt an der Tipiwand lehnten und fragte sich, ob das wohl seine Onkel sein könnten.

Die alte Frau kochte Fleisch, und obwohl es nicht gut schmeckte, aß er davon. Sie legte ihm eine Büffelhaut aus, auf der er schlafen sollte, doch er verspürte ein Gefühl von Gefahr und nahm sich vor, wach zu bleiben.

„Ich habe Rückenschmerzen. Bevor du schlafen gehst, könntest du meine Schmerzen lindern, indem du auf meinem Rücken auf und ab gehst. Ich bin alt und einsam und habe niemanden, der mir bei meinen Schmerzen helfen könnte“, sagte die Alte.

Sie legte sich nieder und Steinjunge begann auf ihrem Rücken auf und ab zu gehen. Dabei fühlte er, dass durch ihr Rehledergewand etwas scharf in seine Fußsohlen drückte. Es war scharf wie ein Messer oder eine Nadel oder eine Speerspitze und er überlegte, ob die Spitzen mit Schlangengift bestrichen waren, und ob sie alte Hexe seine Onkeln auf diese Weise getötet hatte. Steinjunge besann sich einige Zeit und sprang dann so hoch in die Luft wie er konnte, um mit aller Gewalt auf dem Rücken der Alten zu landen. Er sprang, bis er erschöpft war auf ihren Rücken. Schließlich lag die alte Hexe mit gebrochenem Rückgrat tot vor ihm.

Steinjunge ging zu den fünf Bündeln, die an der Tipiwand lehnten. Er öffnete die Rohlederbänder und öffnete die Bündel. In jeder Tierhaut fand er eine getrocknete männliche Mumie und er dachte sofort an die Brüder seiner Mutter. Er war traurig, weil auch er nicht wusste, wie er sie wieder zum Leben erwecken konnte. Er trat vor das Tipi und sah einen Haufen großer grauer Steine liegen, die sprachen. Er lauschte und bemerkte, dass er sie verstehen konnte. „Steinjunge, du bist einer der unseren! Pass auf und tu was wir dir sagen!“

Er folgte ihren Anweisungen und baute eine kuppelförmige Hütte aus biegsamen Weidenzweigen. Er bedeckte sie mit den alten Büffelhautgewändern der Hexe und brachte die fünf toten ausgetrockneten Menschen hinein. Draußen im Freien baute er ein großes Feuer. Er legte die Steine direkt in die Flammen und warf die alte Hexe hinein, dass sie verbrannte.

Als die Steine rotglühend waren trug er sie mit einem alten Rehgeweih einzeln in die kleine Hütte. Er füllte den alten Wasserbeutel der Hexe mit Wasser und trug auch ihn fest verschlossen hinein. Zuletzt stellte er die fünf getrockneten Menschen in einem Kreis um sich auf.

Steinjunge schloss den Eingang mit einer Büffelhautklappe. Nun goss er Wasser über die Steine und dankte ihnen dafür, dass sie ihn hierher gebracht hatten. Viermal goss er Wasser auf die Steine und öffnete die Klappe und schloss sie wieder und jedes Mal sprach er mit den Steinen und lauschte ihren Antworten. Immer wenn er Wasser über die Steine goss füllte sich die kleine Hütte mit Dampf. Beim zweiten Mal spürte er eine Bewegung im Dunkel der Hütte und beim dritten Mal begann er zu singen. Und als er zum vierten Mal die Steine mit Wasser begoss, begannen auch die toten, vertrockneten Menschen zu reden und dann zu singen.

„Ich glaube, sie sind wieder am Leben“, dachte Steinjunge. „Nun werde ich endlich meine Onkel treffen.“ Und er öffnete ein letztes Mal die Klappe. Er beobachtete wie der Dampf entwich und wie eine fedrige Wolke zum Himmel hinaufstieg. Das Licht des Feuers und des Mondes schien in die kleine Schwitzhütte und er sah die fünf jungen Männer. „Ihr müsst meine Onkel sein.“ Und sie lächelten ihn an. Dann lachten sie und waren glücklich, wieder am Leben zu sein.

Steinjunge sagte: „Der Stein hat mich gerettet und nun hat er auch euch gerettet. Wir werden lernen Mutter Erde zu verehren, den Stein und den Großvatergeist. Diese kleine Hütte, diese Steine, das Wasser und das Feuer sind heilig. Wir werden sie von nun an benutzen, wie wir es hier zum ersten Mal getan haben: zur Reinigung, für Leben und Gesundheit. Dies ist die erste INIPI („wo wir schwitzen“)-Zeremonie. Sie wurde uns gegeben, damit wir leben. Nun werden wir ein Stamm werden

Danke Dina für diese schöne Legende
Lg Sabin

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Lebe mit der Natur im Einklang Du wirst hören was dir die Naturgeister erzählen und sie im Sonnenlicht tanzen sehen. Ein wunderbares Gefühl wird in Dir wach.
Sabin die Waldfee

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