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Dieses Thema hat 1 Antworten
und wurde 1.957 mal aufgerufen
 Bruder Baum - Schwester Kraut
merlin Offline

Kräuterkundige/er

Beiträge: 65

20.04.2005 17:12
Merlins Baumzauber 6 Antworten

„Man sagt, dass Schlaf, ein schlimmer, Dir aus den Nadeln raucht – Ach! Wacher war ich nimmer, als rings von Dir umhaucht“. Anette von Droste-Hülshoff.

Die Eibe (Taxus baccata) ist ein gar seltsamer Baum. Als einzige europäische Art ist sie mit den anderen Nadelbäumen nicht verwandt und erweckt bei genauem Hinsehen den Eindruck von Exotentum. Die 10m hohe Eibe (max. 18m) entwickelt sich mehrstämmig , wobei die Einzelstämme später miteinander verwachsen und so eine Altersbestimmung erschweren. Sie trägt als einziger Vertreter der Nadelbäume keine Zapfen, sondern dunkle Samen, die zur Reifezeit von einem durch Kraotinoide rot gefärbten Mantel umgeben sind. Blühreif wird die Eibe, je nach Standort, mit 15 – 30 Jahren. Die Samen treiben aufgrund einer Keimhemmung erst nach 2 – 4 Jahren aus. Und zu Guter Letzt weicht die Eibe auch im Holz von allen anderen Koniferen ab: sie hat keine Harzkanäle. Ihre Nadeln können bis zu 8 Jahre alt werden. Ihre Lebensdauer hebt sie ebenfalls heraus, da sie an die 2000 Jahre alt werden kann. In Schottland soll sogar eine 3000 jährige stehen.

Das Eibenholz ist zäh, hart und doch elastisch. Ein archäologischer Fund aus Niedersachsen, weist den Gebrauch von Eibenspeeren, bereits vor 150 000 Jahren nach. Er steckte in den Knochen eines Mammuts. Besonders für Bogen und Speere wurde dieses Holz verwendet. Dies ging soweit, dass die Eibe in England, Anfang des 17. Jahrhunderts, fast ausgerottet war. Doch schon früher gab es einen Mangel an Eibenholz, die Leidenschaft des Menschen Kriege zu führen führte dazu. Nach einem Bericht aus dem Jahre 1567 wurden in einem Zeitraum von 46 Jahren, 1 Million Eibenbögen, aus dem Bayerischen und Österreichischem Raum auf die Insel geliefert. Gerne wurden aber auch Truhen, Wanderstöcke, Kämme, Webschiffchen usw. angefertigt. Mit Eisensalz schwarz gefärbtes Eibenholz galt als Ersatz für „Ebenholz“ und wurde zu Furnieren und Intarsien verarbeitet. Die Eibe zählt zu den härtesten und fäulnisresistenten Hölzern und so wurde sie auch als sogenannter „Sohlbalken“ verwendet. Dieselben liegen dem Steinsockel eines Hauses direkt auf und laufen am ehesten Gefahr, zu faulen. Beim Abtragen einer Fachwerkkapelle aus dem 17. Jh. wurde in Göttingen mehrere Eibenbalken gefunden, die 25 m dick und 9 m lang waren. Eibene Rebstöcke sollen an die 100 Jahre alt werden!

Dies alles zeigt uns die Besonderheit der Eibe und so tut es nicht Wunder, wenn sie auch in der Mythologie einen besonderen Stellenwert hat. Die Eibe ist der Begleiter in das Reich des Todes.

Die Eibe schlägt an die Scheibe. Ein Funkeln im Dunkeln. Wie Götzenzeit, wie Heidentraum. Blickt ins Fenster der Eibenbaum. Theodor Fontane

Der Weg zur Unterwelt ist mit Eiben gesäumt. Dunkel umgibt sie ein düsteres Licht. Die schweigenden Eiben sind den Göttern des Todes geweiht, und jeder muss durch diese Allee, bevor er sein letztes Ziel erreicht hat. So berichtet die griechische und römische Mythologie. In allen Kulturen, die die Eibe kannten, galt sie als heiliger Baum. Am oberen Ende der Alle zur Unterwelt steht sie noch heute: auf den Friedhöfen. Hildegard von Bingen sagte trotzdem: „De Ybenbaum ist ein Sinnbild der Fröhlichkeit“, dies wahrscheinlich aus dem Glauben an die Wiedergeburt heraus. Ich selbst konnte, auf meinen Reisen nach England, einen alten Brauch erleben. „Dafydd ap Gvilym“ einem Barden, wurde im Jahre 1380 ein Eibensamen unter die Zunge gelegt, bevor er zu Grabe getragen wurde. Aus seinem Kopfe wuchs eine mächtige Eibe.

Auch den Germanen war die Eibe ein heiliger Götterbaum. Sie widmeten eines ihrer Runenbilder der Eibe „ihwaz“ nannten sie Rune und Baum, und beiden wurden grosse Heilkräfte zugesprochen. Auch Shakespeare spricht in seinem Macbeth von den dunklen Kräften der Eibe, dort sind es: „Eibenzweige, abgerissen bei des Mondes Finsternissen“, die von Hexen neben Wassermolchaugen einem wahrheitskündenden Zaubertrank beigemischt wurden. Noch bis in das 19. Jahrhundert haben sich die Eibenzauber gehalten. Eiben können Dämonen vertreiben, deshalb hängte man sich ein Amulett aus Eibenholz um den Hals: „Vor Eiben kann kein Zauber bleiben“, hiess der Zauberspruch dazu.

Alle Pflanzenteile mit Ausnahme des roten Samenmantels enthalten die Alkaloide Taxin und Ephedrin. Taxin besitzt eine stärkere Wirkung als die Digitalisglykoside des roten Fingerhuts und wurde früher als Herzmittel angewendet. Die tödliche Dosis liegt bei 50 – 100g Nadeln. Der Tod im Koma tritt nach 1,5 Stunden ein. Dies führte auch dazu, das das Eibengift zur Herstellung von Pfeilgiften verwendet wurde. Ebenso wurde aber auch die halluzinogene Wirkung geschätzt. Man sagt, dass wenn man im Hochsommer unter einer Eibe liegt, die Dämpfe Wahrträume verursachen.

Merlin wünscht auch ohne Eibenträumen alles Gute bis zum nächsten Mal und den Geschichten über die Birke.
Das Leben findet einen Weg

Rosenfee Offline

Kräuterkundige

Beiträge: 52

27.10.2005 12:50
#2 RE: Merlins Baumzauber 6 Antworten

wooow , das ist ja superintressant!
danke für diese tollen beiträge!

also eine eibe habe ich im garten! da werd ich mich des sommers mal drunter legen! sehen was passiert!
ich werd mich jetzt mal ein bisschen informieren gehen zu diesem bäumchen - JA , ich will sie alle ausprobieren , die baumzauber!
http://www.rosenfee.at.tf

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