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 Zaubersprüche
majun ( Gast )
Beiträge:

22.06.2006 10:35
liebeszauber aus dem mittelalter- von der kirche verboten Antworten

Sehr ausführliche Schilderungen von Liebeszauber finden sich im wohl bekanntesten Katalog zu christlichen Verfehlungen, dem Corrector, das Bischof Burchard von Worms als Teil seines Decretums zu Beginn des 11. Jahrhunderts erstellte:

Fischzauber

1. Fecisti quod quaedam mulieres facere solent?
Hast du getan, was manche Frauen zu tun pflegen?
2. Tollunt piscem vivum, et mittunt eum in
Sie nehmen einen lebendigen Fisch und stecken ihn in
3. puerperium suum, et tam diu eum ibi tenent,
ihre Vagina, und lassen ihn dort so lange,
4. donec mortuus fuerit, et, decocto pisce vel assato,
bis er tot ist, und kochen oder braten den Fisch,
5. maritis suis ad comedendum tradunt, ideo faciunt hoc,
geben ihn ihren Ehemännern zu essen, damit
6. ut plus in amorem earum exardescant?
diese mehr in Liebe zu ihnen entbrennen.
7. Si fecisti, duos annos per legitimas ferias poeniteas.
Hast du das getan, sollst du zwei Jahre lang an den erlaubten Wochentagen fasten.

(Text: Migne, Patrologia Latina, Bd.140, Sp.974)


Brotzauber

1. Fecisti quod quaedam mulieres facere solent?
Hast du getan, was manche Frauen zu tun pflegen?
2. Deponunt vestimenta sua, et totum corpus nudum
Sie ziehen ihre Kleider aus, und reiben ihren nackten Körper
3. melle inungunt, et sic mellito suo corpore supra
mit Honig ein, und legen ihren honigbeschmierten Körper auf
4. triticum in quodam linteo in terra deposito,
Weizen, den sie über ein Leintuch auf die Erde gelegt haben,
5. sese hac atque illac saepius revolvunt,
sie wälzen sich oft hin und her,
6. et cuncta tritici grana, quae humido corpori
und sammeln dann vorsichtig die Körner ein, die an ihrem feuchten Körper
7. adhaerent, cautissime colligunt, et in mollam mittunt,
haften, und tun diese in eine Mühle,
8. et retrorsum contra solam molam circuire faciunt
und drehen die Mühle rückwärts entgegen der Sonne
9. et sic in farinam redigunt, et de illa farina pane
und so zermahlen sie die Körner zu Mehl, und backen Brot daraus,
10. conficiunt, et sic maritis suis ad comendendum
und dann geben sie es ihren Männern zu essen
11. tradunt, ut comesto pane marcescant et deficiant?
dass diese vom Verzehr des Brotes sehnsüchtig und verlangend werden?
12. Si fecisti, quadraginta dies in pane et aqua poeniteas.
Hast du das getan, sollst du vierzig Tage bei Brot und Wasser fasten.

(Text: Migne, Patrologia Latina, Bd.140, Sp.976)


Blutzauber

1. Fecisti quod quaedam mulieres facere solent?
Hast du getan, was manche Frauen zu tun pflegen?
2. Tollunt menstrum suum sanguinem,
Sie nehmen ihr Menstruationsblut,
3. et immiscent cibo vel potui, et dant viris suis
und mischen es unter das Essen oder in ein Getränk, und geben es ihren Männern
4. ad manducandum, vel ad bibendum, ut plus
zum Verzehr oder zum Trinken, so dass sie
5. diligantur ab eis?
von ihnen mehr geliebt werden?
6. Si fecisti, quinque annos per legitimas ferias
Hast Du das getan, sollst du fünf Jahre lang an den erlaubten Wochentagen
7. poeniteas.
fasten.

(Text: Migne, Patrologia Latina, Bd.140, Sp.974)


Dass unter all diesen Vergehen die Verwendung von Menstruationsblut mit höchsten Strafen versehen ist, beruht auf der Tatsache, dass nach dem alttestamentarischen Heiligkeitsgesetz des Leviticus der Verzehr von Blut strengstens untersagt (Lev 17, 10-12) ist und dass der Menstruationsausfluss insgesamt als unrein angesehen wird (Lev 15, 19-30).

Daneben wird in den Bussbüchern häufig die Selbstverabreichung von Sperma angeführt. Auch den männlichen Samen erachtet das Alte Testament als unrein (Lev 15, 2-18) und so ist es nicht verwunderlich, dass solche Vergehen mit vergleichbar hohen Bussen geahndet werden. Ein entsprechender Eintrag aus einem englischen Bussbuch des 11. Jahrhunderts lautet:

Spermazauber

1. Mulier, quae semen viri sui in cybum miserit,
Eine Frau, die den Samen ihres Mannes unter das Essen mischt,
2. ut inde amoris ejus accipiat, VII annos poeniteat.
so dass sie davon seine Liebe empfängt, soll sieben Jahre fasten.

(Text: Wasserschleben, Die Bussordnungen der abendländischen Kirche, S.579)

http://www.galdorcraeft.de/

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