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Dieses Thema hat 2 Antworten
und wurde 1.172 mal aufgerufen
 Schamanismus
SEDNA ( Gast )
Beiträge:

14.01.2005 11:35
die schönsten geistreise- erlebnisse Antworten

in diesem thread hätte ich gerne eure schönsten reise- erlebnisse, natürlich nur, wenn`s nicht zu persönlich ist!
ich fange an mit einer reise, die ich machte, wegen meinem problem der eifersucht in meiner beziehung:


Seit Tagen hab ich ein riesiges Problem mit mir selbst und mit meiner Eifersucht in der Beziehung.
Ich bitte einige vertraute Menschen um Hilfe, einer sagt, er würde ein weibliches Wesen hinter mir sehen, der andere sagt, daß er mit dem Didgeridoo am See gewesen wäre und für mich reisen wollte, doch die Geister hätten Regen geschickt und er musste abbrechen.
Deutlicher konnten es die Geister nicht sagen: Ich musste also selbst reisen.

Also beschloss ich , dieses weibliche Wesen aufzusuchen, von dem einer der Freunde sprach.
Mit Didgeridoo-Musikbegleitung aus dem CD- Player schloss ich die Augen, auf meinem Schaffell liegend, und kaum war ich in der Geistwelt gelandet, wusste ich schon, wer da war. Es war Sedna, die Meeresgöttin. Ich sehe sie mit Eskimo- Gesicht, ihr Kinn und ihre Wangen und ihre Stirn sind tätowiert mit feinen Linien.
Sie ist weiblich rund, sie hat pralle Brüste und hohe Wangenknochen, schulterlange schwarze Haare und hat die Fähigkeit, sich in Delfine oder Wale zu verwandeln, oder in Meereswellen.

Kichernd und lachend zeigt sie mir, wie verspielt die Delfine sind, wie sie untertauchen und aus dem Wasser springen. Ich tauche mit ihnen, springe aus dem Wasser, schnappe nach Luft, tauche wieder unter und genieße die Luftblasen unter Wasser, die im Sonnenlicht funkeln.
Die glatten silbrig glänzenden Delfin-Leiber drängen sich um mich und wir tanzen mit dem Wasser.
Sie zeigt mir die meditative Stille der Wale, das lautlose dahingleiten der riesigen dunkelblau schimmernden Körper in den tiefen der Ozeane. Ich bin überwältigt von dem Gefühl, so klein zus eienn neben diesen Riesen…

Sedna erinnert mich an das Regenbogen-Märchen. Die Regenbogen-Kinder lebten einst eingeklemmt zwischen Vater Himmel und Mutter Erde, die sich ständig vor lauter Liebe fest umarmten. Den Kindern wurde es bald zu dunkel zwischen den beiden Körpern, und sie begannen Vater Himmel nach oben zu drücken, und Mutter Erde nach unten zu drücken. Und so ist es heute noch: Vater Himmel ist oben, Mutter Erde ist unten. Die Regenbogen-Kinder begannen daraufhin in allen prächtigen Farben zu strahlen vor Freude über die Freiheit.
Aber Vater Himmel war sehr traurig, weil er Mutter Erde loslassen musste. Und so weinte er, und es entstand der Regen. Und Mutter Erde war ebenso traurig, und sie weinte still, und so entstanden die Seen und Meere. Und die Kinder beschlossen, ihnen ein Geschenk zu machen.
Sie machten eine Brücke aus Licht zwischen Vater Himmel und Mutter Erde. Und so konnten sich die beiden Geliebten berühren und ihre Kinder strahlten mit ihren Farben zwischen ihnen. So entstand der Regenbogen.

Sedna sagt mir, dass die Meere die Tränen der Frauen auf der ganzen Welt beinhalten, und dass sie deshalb so salzig wären. Und dass die Meere nur deshalb den Himmel spiegeln und blau sein konnten, weil es so viele Tränen gab. Hätten die Frauen nicht geweint, könnte sich nun der Himmel nicht im Meer spiegeln und dem Meer seine blaue Farbe verleihen.

Und so habe ich meine Antwort auf meine Fragen zu meinen derzeitigen Problemen: Ich muss loslassen können, ich muss den Regenbogenkindern die Freiheit schenken, und wir können uns nur dann spiegeln, wenn wir nicht aneinander klammern.
Die Meeresgöttin Sedna hat mir mit dieser Geschichte die Augen geöffnet. Und meine Tränen waren wichtig, denn sonst wäre kein Meer entstanden.
Sedna zeigte mir die Kreisläufe des Wassers. Wie es verdunstet und zu Regen wird, und wieder vom Himmel fällt und zur Erde kommt.
Sie sagt, ich soll sie rufen, wenn ich traurig bin, dann könnten wir gemeinsam in die Tiefen des Meeres tauchen und an die Oberfläche holen, was mich belastet.

Intuitiv bitte ich Sedna um Zerstückelung. Ich liege am Boden, auf meinem Schaffell, breite die Arme aus und warte was kommt.
Die Didgeridoo-Musik wird lauter.
Ich sehe mich, wie ich an Land gespült werde. Ein lebloser Körper, an dem die Fische nagen, Haifische reissen Fetzen aus meinem Fleisch, kleine Fische knabbern an mir, Krebse kommen, ich spüre die Bewegung der Wellen, werde leicht nach vorne und nach hinten geschwemmt und wieder nach vorne, und wieder nach hinten. Mit den Wellen kommen viele kleine Fische die an mir fressen, eine Krake kommt, ein Manta- Rochen. Wieder reisst ein Hai ein großes Stück Fleisch aus meiner Seite.
Möven fressen den Rest und schließlich kommt mein Krafttier und pickt das restliche Fleisch von meinem Körper.

Das Salzwasser beginnt, auf den übrig gebliebenen Knochen Kristalle zu bilden. Immer mehr Kristalle bilden sich, und ich bekomme einen neuen Körper.
Mein Körper in der Alltäglichen Wirklichkeit beginnt in pulsierenden Bewegungen sich auszudehnen und wieder zusammenzuziehen- immer schneller, bis ich schwindelig werde. Ich schwinge und schwinge- mein ganzer Körper bewegt sich wellenförmig, als ob ich betrunken wäre und sich gleich alles zu drehen begänne.
Dann eine unheimliche Schwere, es zieht mich in den Boden, ich fühle mich wie Blei, und sehe wie der tote Körper unter mir liegt- mein Geist löst sich und ich sehe mich von oben. Ich schwebe mit einer unendlichen Leichtigkeit im Zimmer herum und sehe meinen Bleikörper tot ganz fest am Boden liegen. Ich spüre gleichzeitig meinen Bleikörper am Boden, als auch meinen Schwebekörper in der Luft.

Dann sehe ich einen Hügel, der an einer Seite wie eine Klippe ins Meer mündet, steil bergab, zerklüftete Felsen an der Rückseite, vorne grün bewachsen mit Gräsern und Moos. Ganz oben auf dem Hügel steht ein Mann und bläst in eine große Muschel, er lockt mit seinem Ton die Geister aller Himmelsrichtungen heran.
Immer wieder bläst er aus voller Brust in die Muschel und trötet in den Himmel.
Dann sehe ich den Hügel von oben, und bemerke ein großes Medizinrad- und da liegt wieder mein Körper in der Mitte des Medizinrades.
Ein männlicher Löwe legt sich zu mir in die Mitte, und das Medizinrad wird umrundet von vielen, vielen Tieren, die sich schweigend im Kreis um mich stellen.
Eine starke Heilungszeremonie beginnt.
Vier Didgeridoospieler sitzen an jeder Himmelsrichtung des äußeren Kreises und spielen die ganze Energie in die Mitte des Kreises, wo ich mit dem Löwen liege.
Ich spüre die Kraft der Instrumente, die Schwingungen der Töne, mein ganzer Körper wird erfüllt von dieser Energie, von den Tönen. Wie ein kräftiger Wind, der meinen Körper füllt und mir Leben einhaucht.
Ein wunderbares Gefühl, ich liege nur da und genieße es.
Ein Schamane kommt auf mich zu. Ein alter Mann mit schulterlangen grauen Haaren, und Lederbekleidung, der beginnt, mit einem Federfächer meine Aura abzustreifen, während ich da liege. Dann reibt er meinen Körper mit Blättern ab und ich beginne zu schwitzen. Ich sehe plötzlich sehr krank aus, als hätte ich starkes Fieber und würde bald sterben. Mein Körper glüht. Ich bin in eine braune Decke eingewickelt.
Dann beginnt eine Bestattungs- Zeremonie, ich werde noch fester eingewickelt in die Decke, mein Gesicht wird zugedeckt, jetzt bin ich wohl tot. Man legt mich auf ein Holz- Gestell, und dieses Holzgestell wird auf ein hohes Gerüst geschleppt, wo man mich drauflegt. Mitten im Medizinrad, mitten auf diesem Hügel, umspült vom Meer, umgeben von Tieren und vier Didgeridoo- Spielern und der Schamane entzündet das Feuer unter meinem Körper. Ich liege auf diesem Gerüst aus Holz und verbrenne.
Es ist Nacht jetzt, alles ist dunkel, das Feuer leuchtet in die Nacht und Sterne funkeln am Himmel. Wunderschön sieht das aus.
Mein altes ICH wird verbrannt.

Dann sehe ich mich wieder im Medizinrad, es ist wieder Tag und ich kann mich aufsetzen. Ich bin nackt.
Der Schamane beginnt, Seelenteile in meinen Kopf zu blasen. Er nimmt meinen Kopf, ich sehe Rauch, den er ausatmet, er bläst Seelenteile in mich.
Ich sehe, zu welchen Gelegenheiten ich die Teile verloren habe. Ein Baby liegt schreiend im Wohnzimmer meines Elternhauses- das bin ICH. Ich wurde einfach liegen gelassen und schreien gelassen. Bis ich blau wurde.
Ein Radunfall mit etwa 12 Jahren. Ich stürzte eine Böschung runter, knallte gegen einen Baum und wurde kurz bewusstlos. Ich sah Sterne. Schock.
Ein Teil ging, als mich der Vater meiner Tochter in den Bauch trat. Er war betrunken, ich hatte panische Angst, wir stritten, er hatte mich gerade betrogen mit einer anderen Frau, hat mich benutzt und bestohlen.
Ein Unfall, den ich mit etwa 16 Jahren auf der Autobahn miterlebte, wir wollten gerade in die Disco fahren, als uns Taschen, Kleidungsstücke, Schuhe, Autoteile usw… entgegenkamen. Dann ein riesiger Sattelschlepper mitten auf der Autobahn, mit Warnblinkanlage, nachts, alles erhellt vom orangen blinken… und hinter dem letzten Reifen links hinten lag ein Mann. Vorne der Kopf, hinten die Beine, und dazwischen das große Rad des Sattelschleppers, der den restlichen Körper zermalmte. Gerade stieg der Fahrer des LKW`s aus, kreidebleich.
Wieder SCHOCK.
Der Schamane bläst mir jeden Teil in meinen Körper. Die Musik wird lauter und schneller und rhytmischer, er beginnt mit einer Rassel die Wunden zu vernähen, alle Tiere die noch immer um das Medizinrad stehen beginnen zu singen und zu tanzen, und dann stehe ich auf und beginne selber zu tanzen.
Sie singen:
„Du bist heil, Du bist ganz, Du bist, was Du bist.
Du bist heil, Du bist ganz, Du bist, was Du bist“
Ich tanze mitten im Medizinrad mit dem Schamanen und singe mit den Tieren.

Hier ist die reise zu Ende.
Ich setze mich auf, denke ein wenig nach, freue mich über diese wunderbare Reise. Ich sage, dass es die schönste Reise ist, die ich jemals erleben durfte. Ich bedanke mich bei allen Helfern und denke an meine beiden Freunde, die ich um Hilfe gebeten habe. Wenn der Eine nicht gewesen wäre, hätte ich Sedna nicht gefunden. Der Andere hat mir den Regenbogen gebracht und die Didgeridoo-Musik.
Und ich bin mir nicht sicher, ob nicht ER der Schamane war, der mich geheilt hat.
Und gerade als ich darüber nachdenke, ob es dieser Freund war, da fällt mir ein, dass ich doch seit Ewigkeiten ein Werkzeug zu Hause habe, das mir die Geister für meine eigene Seelenrückholung gegeben hatten. Witzigerweise hatte ich es nun gar nicht gebraucht.
Und da fällt es mir plötzlich siedendheiß ein: „DOCH!!! Ich brauche es um es an diesen Freund zu schicken!!!!! ER braucht es!!! Also hab ich`s doch für die Seelenrückholung gebraucht!!! Nur anders, als ich dachte!“

Seit ich diesen Bärenknochen an ihn weitergeleitet habe (womit er niemals gerechnet hat), verbindet uns eine innige Freundschaft.

sedna (so, jetzt wisst`s, wieso mir der name so gefällt)


SEDNA- OPFER

Dann wurden mir die Finger abgeschnitten,
ich wurde getreten,
ich wurde verletzt,
ich wurde verwundet,
ich wurde belogen,
ich wurde betrogen,
ich wurde verlassen.
Mein Leid war groß,
aber ganz unten, in der Tiefe,
im herzen des Ozeans,
wo ich zum sterben zurückgelassen wurde,
begriff ich meine Machtlosigkeit,
wie mein Leben gelebt wurde,
hilflos und ängstlich,
immer Opfer,
anstatt selbst zu handeln,
und erkannte, was ich tat.
Als sich Erkenntnis in meinem Bewusstsein ausbreitete,
wuchsen Fische und Meeressäuger
aus meinen abgeschnittenen Fingern.
Ich wurde zu Nahrung,
wurde SIE, die für ihre Gemeinschaft sorgt,
nicht länger Opfer.

Das Ritual zu dieser Tarotkarte: „Der Opfertanz“
Der Tanz und das Lied dazu enden mit den Worten: „Willkommen, Du kraftvolle Frau!“

Aus dem Tarot „Göttinnengeflüster“ (Schirner Verlag)

als sich erkenntnis in meinem bewusstsein ausbreitete,
wuchsen fische und meeressäuger aus meinen abgeschnittenen fingern, ich wurde zu nahrung, wurde SIE, die für ihre gemeinschaft sorgt, nicht länger opfer.
(aus der legende von sedna)

Nihai ( Gast )
Beiträge:

26.02.2005 17:06
#2 RE:die schönsten geistreise- erlebnisse Antworten

Hier eine meiner vielen Reisen, die alle schön und lehrreich waren.

„Wie kann ich die Traurigkeit überwinden?“
Abgang über das Verlies, das in gedämpftes Licht getaucht ist. Die Löwin erwartet mich, bleibt aber unsichtbar. Der goldfarben leuchtende und der silbrig glänzende Gang sind offen.
Ich beginne in dem, der dem Abgang ins Verlies näher liegt, doch ein strahlender Lichtraum versperrt mir den Eingang. Ich probiere es ein zweites Mal und kann die Schwelle wieder nicht überschreiten.
„Ich will zur Alten!“ Jetzt probiere ich es im silbrig glänzenden Gang.
Ich kann hinein, muss dann aber wieder zurück ins Verlies, weil mich eine unsichtbare Barriere am Vorwärtskommen hindert.
Wieder probiere ich, durch den goldfarbenen Gang eindringen zu können. Mit einiger Mühe kann ich den Lichtschranken überwinden, und dann ohne weitere Schwierigkeiten direkt nach Westen vordringen.
Die Löwin liegt auf der Wiese und steht auf, als ich auf sie zugehe, kommt mir aber keinen Schritt entgegen.
„Woher kommt diese Traurigkeit und wie kann ich sie überwinden?“ Meine Frage fällt mir wieder ein. Diesmal gehe ich nicht auf sie zu, sondern wende mich in Richtung Höhle.
„Komm!“ Die Löwin sagt das sehr bestimmt und trabt vor mir her von der Höhle weg. Ich zögere.
„So komm doch schon!“ Sie wirkt gereizt und ungeduldig. Nach ca. 200 m bleibt sie stehen und wartet, bis ich aufgeholt habe.
Sie dringt vor mir in den Berg ein. Ich folge dicht hinter ihr, um sie nicht zu verlieren.
Es ist dunkel, feucht und eng. Nach ca. 50 m stecke ich fest. Ich kann weder vor noch zurück, weder nach links noch nach rechts. Die Löwin st bereits kurz nach dem Eindringen in den Berg verschwunden.
Ich überlege, was es bedeutet, dass ich fest stecke.
„Wie kann ich die immer wiederkehrende Traurigkeit überwinden?“
Augenblicklich öffnet sich ein Schacht über mir und fahles, weißes Licht fällt von oben herab. Bevor ich denken kann, bin ich oben. Ich sitze neben dem Loch und klare, kalte Luft umweht mich. Über mir ein tiefblauer Himmel. Schnee liegt auf dem Gipfel, durch den ich gerade gestoßen bin. Ein einsamer Weißkopfadler kreist vor dem blauen Hintergrund.
‚Spinne ich? Den habe ich doch gerade im Fernsehen gesehen.‘
Damit ist der Adler verschwunden.
Während ich überlege, ob der Schacht neben mir vielleicht der Schlund eines erloschenen Vulkanes ist, sitze ich in einem Adlerhorst, der teilweise über diesem Schlund liegt.
Es dauert einige Zeit, bis ich erkenne, dass ich als Junges des Adlers in dem Adlerhorst sitze.
Mich wundert gar nichts mehr, sondern ich will nur meine Frage beantwortet haben.
„Wie kann ich die Traurigkeit überwinden?“ Ich bin auf diese Frage so fixiert, dass alles andere im Augenblick in den Hintergrund tritt.
„Schau doch hin!“ Der ADLER sitzt auf dem linken Horstrand und wendet seinen Kopf in eine andere Richtung.
Ich folge seinem Blick und sehe einen blauen Himmel über mir, einen Schwarm laut kreischender, weißer Vögel, die auf meiner Höhe und auch höher im Wind segeln, und unter mir einen sandfarbenen Strand.
„Das sind laut kreischende, segelnde und fliegende weiße Vögel! Ich will aber wissen, wie ich meine Traurigkeit überwinden kann!“ Meine Antwort ist trotzig und verzagt zugleich.
Der ADLER fliegt über den kreischenden weißen Vögeln in das Blau des Himmels.
‚Was soll denn das jetzt wieder. Ich will zurück! Ich muss die Alte fragen, wie ich die Traurigkeit überwinden kann. Vielleicht kann sie es mir erklären.‘
„Schau doch hin!“ Die Alte sitzt plötzlich neben mir auf der Bergspitze. Der Adlerhorst ist verschwunden und wir sitzen auf einem kleinen Plateau.
‚Jetzt bin ich total übergeschnappt. Wie kommt denn die hierher. Ich wollte ja zu ihr in die Höhle.‘ Doch die Kraft der Alten ist so stark, dass ich nicht weiter denken kann.
„Ich schau ja schon die längste Zeit hin. Ich sehe einen blauen Himmel, kreischende, fliegende weiße Vögel. Mehr sehe ich nicht.“
„Schau genau hin! Was sagt dir das, was du siehst? Was bedeutet das?“ Die Alte lässt nicht locker. Sie zwingt mich nochmals auf das Bild vor mir zu schauen, und auch, es zu betrachten.
„Sie haben Freude am Fliegen, aber ich bin kein Vogel!“ Fast trotzig füge ich hinzu: „Und außerdem will ich wissen, wie ich meine Traurigkeit überwinden kann.“
„Flieg doch endlich!“ Die Stimme der Alten klingt ungeduldig. So kenne ich sie gar nicht.
Ich verstehe überhaupt nichts mehr, am wenigsten die Forderung der Alten. Ich will sie aber auch nicht weiter ärgern, und frage deshalb: „Wohin soll ich denn fliegen?“
„Frag nicht so viel, tu es doch endlich!“ Jetzt schilt sie mich regelrecht.
Und plötzlich finde ich mich in der Luft und inmitten der Vögel. Zuerst steige ich mit einem der weißen Vögel hoch und dann mit dem ADLER höher und höher.
‚Wie soll ich denn so meine Traurigkeit überwinden?‘ Die Frage beschäftigt mich noch immer, wenn auch nicht mehr ganz so bestimmend. Eher habe ich resigniert, weil ich keine Antwort bekomme.
Ich blicke unter mich und sehe den Strand und das Bergmassiv langsam kleiner werden, auch das Meer entschwindet langsam meinen Blicken.
‚Ich bin ja schon in der Atmosphäre!?‘ Ich bin völlig überrascht und dann verwirrt, als ich feststelle, dass ich im All bin. Rund um mich herrscht Dunkelheit.
‚Die Mondin?!‘ Doch ich werde an ihr vorbei, tiefer ins All gezogen.
‚Hat meine Traurigkeit mit einem anderen Stern zu tun?‘ Noch nicht wirklich zu Ende gedacht, bündeln sich die Sterne um mich und vor mir, und bilden schließlich einen großen strahlend gelborangenen Punkt.
‚Urknall! Verdammt noch mal, was soll denn das? Das habe ich doch schon einmal erlebt. Wieso denn noch einmal?‘
Doch das Geschehen lässt sich von meinen schwachen Gedanken nicht beeinflussen. Der große Punkt explodiert und teilt sich in kleinere und größere Lichtpunkte auf, durch deren Mitte ich bewegungsunfähig weiter gezogen werde.
Ich steuere auf einen kleinen, goldenen Lichtpunkt vor mir zu, der im Näherkommen immer größer wird und sich als gelborange strahlender Lichtball vor dem schwarzen Hintergrund abhebt.
‚Die Reise in die Sonne!‘ Mein Erlebnis vor mehr als zehn Jahren fällt mir ein.
‚Darf ich das jetzt noch einmal sehen, und ganz bewusst erleben?‘ Unaufhaltsam werde ich weiterhin von dieser Sonne angezogen, bis ich in diesen übergroßen Körper völlig eingedrungen bin und sich das Licht hinter mir schließt.
‚Bin ich verrückt? Wieso verbrenne ich nicht?‘ Erstaunt stelle ich fest, dass ich nicht einmal Hitze spüre. Ich dringe soweit ein, bis ich ein Teil dieses goldfarbenen Lichtes bin.
Wieder einmal bin ich ich, ohne ich zu sein. Ich bin ich und gleichzeitig Teil dieses Sonnenballs, wie damals im weiß strahlenden Lichtraum.

Ich, und doch völlig durchdrungen von diesem Licht sitze ich plötzlich wieder neben der Alten. Sie sieht mich an und ich empfinde jetzt auch, dass ich dieses Licht ausstrahle. Ich bin völlig erfüllt von diesem Erlebnis und dem Licht.
‚Ist die Alte Roswitha?‘ Ihre Worte beim Seminar fallen mir ein. – Doch die Alte ist weg.
Im nächsten Augenblick bin ich im Schacht, doch diesmal ist er breiter und am Boden von goldenem Licht erfüllt.
Im nächsten Moment dringe ich in den Berg unter ... ein. Auch hier ist jetzt alles in dieses goldfarbene Licht getaucht. Hell und breit öffnet sich die Erde vor mir, auf meinem Weg zurück. Kaum eingedrungen, bin ich auch schon im Verlies und die Löwin ist bei mir.
Ich stehe völlig verständnislos im Verlies und zögere.
„Jetzt verschwinde schon!“ Faucht sie gutmütig aber auch sehr ungeduldig.
‚Hat das jetzt bedeutet, mit Urvertrauen überleben?‘ Ich bin noch bei meinem Erlebnis und den Empfindungen. Ich will noch nicht zurück.
„Jetzt tu schon weiter! Ich will endlich wieder zurück!“ Mauzt sie jetzt in meine Gedanken, dreht sich um und verschwindet im goldenen Gang.
„Danke!“ Rufe ich zurück, während ich schon aufsteige.
„Wissen wir!“ Kommt es mehrstimmig zurück.
Und damit hat mich die Realität wieder.

Beginnt so der Wahnsinn oder bin ich nur total verrückt?
Ich erlebe das, was ich für den Urknall halte, und wie ich ihn mir vorstelle, nun schon zum zweiten Mal.
Ich erlebe eine Reise in die Sonne, ohne mich zu verbrennen, ohne irgendeine Art von Hitze zu spüren, nun auch schon zum zweiten Mal.
Ganz deutlich erinnere ich mich an damals vor vielen Jahren. Damals hatte ich probiert, ob ich aus meinem Körper „austreten“ und eine sogenannte Astralreise machen kann. Wieder auf der Erde habe ich als Erinnerung nur behalten, dass ich gerade von einer Reise in die Sonne zurückkomme. Damals wäre ich nie auf die Idee gekommen, mich für durchgeknallt oder verrückt zu halten.
Ich konnte ja alles der Tatsache zuordnen, dass meine Nerven überreizt waren, weil ich gerade Witwe geworden war. Damals wusste ich auch noch nicht, ob ich überhaupt in der Realität bleiben wollte. Meine Parallelwelten waren sehr verlockend, auch wenn ich sie nie bewusst gesucht oder betreten habe, sondern immer nur irgendwie durch äußere Situationen hineingestolpert bin.

„Schluss mit diesen Gedanken!“ Ich werde nicht wahnsinnig. Hier bin ich in der Realität. Ein Rundblick zeigt mir, dass ich in meiner Wohnung sitze und hier alles beim Alten ist.
Nur vor meinem geistigen Auge und in meinem Inneren lebt die Erinnerung an ein weiteres unbegreifliches Erlebnis.


SEDNA ( Gast )
Beiträge:

26.02.2005 18:01
#3 RE:die schönsten geistreise- erlebnisse Antworten

deine frage war, wie du die traurigkeit überwinden kannst.
und ich sitz hier vor dem computer, les mir deine erzählung durch, und heule wie ein wolf im sibirischen winterwald... die geschichte jagt mir gänsehaut über den rücken und hat definitiv meinen tag heute gerettet. wunderschön- ich danke dir dafür. auch für das vertrauen, es hier öffentlich zu schreiben. meine traurigkeit der letzten tage ist im moment jedenfalls wie verflogen...

danke.

sedna

als sich erkenntnis in meinem bewusstsein ausbreitete,
wuchsen fische und meeressäuger aus meinen abgeschnittenen fingern, ich wurde zu nahrung, wurde SIE, die für ihre gemeinschaft sorgt, nicht länger opfer.
(aus der legende von sedna)

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